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Schwule Jugendgruppe im Allgäu:
"Zuhören und Mut machen"


Der Raum, den „Bonito" im Haus des Stadtjugendrings bewohnt, ist stylisch und sehr aufgeräumt. „Mag durchaus sein, dass wir das eine oder andere Klischee bedienen", meint Thomas. Der 30-Jährige ist einer der Begründer der Gruppe für homosexuelle Jugendliche und zeigt gern den schmucken Clubraum, in dem die „Bonitos" seit zwei Jahren beheimatet sind. Sinn für Ordnung und Ästhetik zeichne sicher viele Schwule aus, räumt er ein, outet sich selbst aber lächelnd als komplettes Gegenbeispiel: „Ich bin eher ein wenig chaotisch".

Vier bis fünf Jahre ist es her, dass Thomas und sein Freund Marius auf die Idee gekommen sind, für homosexuelle Jugendliche einen Treffpunkt zu schaffen, wo man Kontakte knüpfen, Probleme besprechen oder ganz einfach in gemütlicher Runde zusammen sitzen konnte. „So etwas gab es bis dahin in Kempten nicht, man traf sich entweder in den angesagten Kneipen, musste es dem Zufall überlassen, ob man Freundschaften schließen konnte oder mit seinen Problemen allein blieb", erinnert sich Thomas. Am 1. Juni 2006 war es dann soweit, dass die Jugendgruppe für Schwule gegründet wurde. Mit der Namensfindung taten sich die Gründungsmitglieder ein wenig schwer. „Bonito" ist denn auch gar nicht bedeutungsschwer, sondern heißt ganz einfach auf spanisch „schön".

In den vier Jahren hat sich der Verein gemausert. Je nachdem, welche Veranstaltungen geboten werden, finden sich bis zu 20 Leute ein, um gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten. Der jüngste Besucher ist gerade einmal 14 Jahre, die ältesten 27. Danach muss man Ausstand feiern bei „Bonito". Nur Thomas und Marius haben als Jugendleiter die Altergrenze inzwischen überschritten. Der Einzugsbereich ist ziemlich groß, die Jugendlichen kommen aus Memmingen ebenso wie aus Füssen oder dem Kleinwalsertal.

Wichtig ist Thomas und Armin, der ebenfalls Jugendleiter ist und sich an diesem Abend leider nur telefonisch am Gespräch beteiligen kann, dass die Besucher erkennen „Ich bin nicht allein". Denn obwohl sich in den letzten Jahren schon viel getan habe, sei es mit der Toleranz gegenüber Homosexuellen nicht immer und überall so weit her, wie man es sich wünschen würde. Mancher stehe vor der Entscheidung, sich zu outen, habe jedoch Angst vor der Reaktion von Familie und Freunden. Es gehe nicht darum, Zweifler davon zu überzeugen, sich zu outen und ebenso wenig maßen sich die Jungs von „Bonito" an, professionelle psychologische Hilfe leisten zu können. „Für viele ist es aber schon enorm hilfreich, wenn jemand von uns zuhört, eigene Erfahrungen mitteilt und Mut macht", sagt Thomas.

Ihre Aufgabe sei durchaus ein wenig diskreter zu leisten als bei anderen Jugendgruppen, die im Stadtjugendring beheimatet sind, meinen sie. Denn immer noch gebe es in der Gesellschaft zumindest versteckte Diskriminierung. Daran hätten auch Politiker wie Westerwelle oder Wowereit wenig geändert. „Ein Coming out kann leider auch ziemlich schief gehen", fügt Armin hinzu. Den Jungs soviel Selbstbewusstsein zu vermitteln, damit sie erkennen, dass auch das kein Weltuntergang wäre, darin gebe die Gruppe Halt.

Aber es werden ja nicht nur Probleme gewälzt an den Gruppenabenden, betonen die beiden. Hier entstehen auch Pläne für gemeinsame Freizeitgestaltung. Die Natur erfahren, sportlich die Berge erobern, segeln auf dem Bodensee oder spartanisches Zelten, das sind nach Meinung von Thomas nicht unbedingt die klassischen Freizeitaktivitäten, für die sich Schwule begeistern. „Bei uns aber klappt das super", meint er, der sogar schon mit einigen Gruppenmitgliedern den Jakobsweg gemacht hat. Witzige Spiele, gute Filme, gemütliche Gespräche, all das geht ab bei den „Bonitos" und wenn mal wieder „Aktivity" gespielt wird, dann mit Aktionen, die so schräg sind wie die Wände im Gruppenraum.