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"Bei uns kann man auftanken
und sich getragen fühlen"


„Ich will Gott erkennen", diesen Wunsch haben Melinda und Katharina mit all den anderen aus ihren Clans in die Mitte eines Plakats gerückt, das einen der hellen, freundlich getünchten Räume der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde schmückt. Die beiden besuchen zusammen mit rund 50 anderen Jugendlichen im Alter von 13 bis 20 Jahren regelmäßig die Gruppenstunden am Freitag und am Samstag im Gemeindezentrum.

Vor allem Kinder und Jugendliche, deren Eltern in der Gemeinde zu Hause sind, treffen sich hier. Manche bringen ihre Freunde mit. „Gott erfahren als Retter und Heiland, das wollen wir den Jugendlichen weitergeben", beschreibt Stefan Josi seinen Auftrag als Jugendpastor. Darum geht es an manchen Abenden ums gemeinsame Bibellesen und um die bibelgerechte Aufarbeitung von gesellschaftspolitischen Themen.

Andere Zusammenkünfte sind dann eher geprägt durch Action. Es gibt Wetten-Dass-Shows, Billard, Kegeln und Kochen und im Sommer wird so manche Wasserschlacht ausgetragen.

Freitags gestalten die Clans – die Bezeichnung für die Gruppen entstand nach einer Freizeit in Schottland – in Kleingruppen ihre Zusammenkünfte, getrennt nach Geschlechtern. Für Pastor Josi macht die Aufteilung Sinn, denn „ es gibt so viele Themen, die Mädchen und Jungen unterschiedlich betrachten und gerade im Teenie-Alter lenkt das andere Geschlecht dabei ab". Am Samstag ist dann wieder die Gemeinschaft von Allen gefragt bei Action, Spaß, aber auch bei der ernsthaften Auseinandersetzung mit der Bibel.

Und natürlich gilt es, Highlights vorzubereiten. Dazu zählen die Jugendgottesdienste, die Sommerfreizeiten oder das Snow-Camp, für das die Jugendlichen im Gemeindezentrum übernachten und am anderen Morgen in Oberstdorf zum Skifahren gehen. Die Sommerfreizeiten führten die Clans schon nach Schweden, nach Kroatien oder Schottland. „Handys und Laptops bleiben dann daheim, damit man sich ausschließlich ums Miteinander kümmern und den Menschen zuhören kann", sagt Josi. Für die Kinder sei dies schon eine besondere Herausforderung, die zunächst durchaus mit Entzugserscheinungen einher gehe.

„Wir brauchen eigentlich gar nicht so viele Erwachsene", erzählt der Jugendpastor. In der Gemeinde lernten die Älteren schnell, Verantwortung für die Kleineren zu übernehmen. Bei aller Begeisterung sei leider die große Beanspruchung durch die Schule empfindlich zu spüren und vor allem Gymnasiasten fänden oft nicht mehr genügend Zeit, in die Jugendgruppe zu kommen. „Dabei kann man bei uns auftanken und sich getragen fühlen", meint der Jugendpastor, weshalb es sich lohne, sich trotz Schulstress zu engagieren.

Es gibt noch eine weitere Jugendgruppe im Verband: Sieben bis vierzehn Jahre alt sind die Kinder, die sich bei den Royal Rangers an den Regeln des Pfadfindertums orientieren. Also wird im Gelände nach Sport, Spaß und Abenteuer gesucht, aber auch Gebet und Bibel lesen haben einen wichtigen Stellenwert. Es gibt eine Menge Berührungspunkte zwischen Jugendclans und Rangers. Viele, die in der einen Gruppe sind, machen auch bei den anderen mit. Und Nachwuchssorgen sind hier wie da nicht gravierend. Im Gegenteil: „Unser Pfadfinderstamm in Kempten wächst und wächst", berichtet Stefan Josi. Derweil sind rund 80 Kinder und 20 Mitarbeiter dabei. Wenn man noch mehr Betreuer hätte, könnte man die Mitgliederzahlen gut und gern verdoppeln. Denn Pfadfinder zu werden, liegt auch bei der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde voll im Trend.