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Alle sind willkommen -
ohne Anforderungen zu erfüllen


„Die Welt ist bunt – Gott sei Dank" ist das Motto der Evangelischen Jugend. Ebenso bunt und vielfältig wie der Stab der Mitarbeitenden, auf den die Evangelische Jugend (EJ) in Kempten setzen kann. „Das hier ist wie mein Wohnzimmer", zeigt Nikolas mit ausgebreiteten Armen schmunzelnd den gemütlich eingerichteten Raum im Evangelischen Jugendwerk in der Mehlstraße. Und so wohl wie in seinen eigenen vier Wänden scheint sich der 20-jährige Student auch zu fühlen. Ausgeglichen und unaufgeregt berichten Kathrin und Nikolas von ihrer Arbeit als Jugendleiter und Mitglieder der Dekanatsjugendkammer, erinnern sich, wie sie zur EJ gekommen sind und wie sie sich die Aufgaben der Zukunft vorstellen.

„Auf dem klassischen Weg", meint Kathrin auf die Frage, wie sie zur Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche gekommen ist. Man werde konfirmiert und biete sich anschließend als Helfer an. Konfi-Leiter zu sein, habe ihr riesigen Spaß gemacht. Wie ihr geht es vielen Altersgenossen, denn wie der Dekanatsjugendreferent und Diakon Christian Wolf verrät, gibt es in manchen Jahrgängen weit aus mehr Bewerbungen als benötigt. An der guten Stimmung in der Gruppe, an den tollen Angeboten sowieso und auch an der Spiritualität, in der Jugendliche Ruhe und Kraft finden, mag es liegen, dass die EJ Nachwuchssorgen überhaupt nicht kennt.

In Kempten haben fünf evangelischen Gemeinden Jugendgruppen, die von ausgebildeten Jugendleitern betreut werden. Die Gruppen treffen sich regelmäßig und veranstalten die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten. Die gesamte evangelische Jugendarbeit wird durch das Evangelische Jugendwerk koordiniert.

Zu den Highlights gehören die Kinderzeltlager in Peißenberg und die Jugendfreizeiten in Bolsena. Diese Angebote seien komplette Selbstläufer, und die Begeisterung für die Teilnahme vererbe sich sozusagen über Generationen: „Wer einmal dabei war, kommt in der Regel immer wieder mit", berichtet Kathrin, die selbst zweimal begeistert beim Kinderzeltlager mitgemacht hat, bevor sie als Jugendleiterin sozusagen „die Seiten" wechselte. „In diesen Freizeiten liegt eine große Chance für die Kinder und Jugendlichen, denn dort sind alle willkommen, ohne große Anforderungen zu erfüllen oder sportliche Leistungen zu zeigen", erklärt Christian Wolf den besonderen Reiz des Lagerlebens.

Kathrin und Nikolas kennen sich als Mitglieder der Dekanatsjugendkammer auch mit trockener Materie wie Finanzen gut aus und haben bei Personalentscheidungen ein wichtiges Wort mitzureden. Ernst genommen zu werden, Verantwortung zu tragen, ist bei der Evangelischen Jugend selbstverständlich.

Doch die Verwaltung ist nur eines der vielen Dinge, die Kathrin und Nikolas mit gestalten. Es gibt vier bis fünf Mal im Jahr Kirchen-Filmnächte, zu denen sich gut und gern 30 Leute und mehr einfinden. Es gibt spontane Aktionen wie Chips- und Schokoladenabende, an denen man nicht nur knabbert und genießt, sondern ganz nebenbei noch etwas erfährt über Kartoffel, Kakao, Herkunft und Herstellung.

„Und natürlich bieten wir auch Aktionen mit christlichen Bezug an", betont Kathrin. Jugendgottesdienste gibt es, das ist klar. Auch die Osternächte sind ohne die Jugend nicht denkbar. Am Samstag wird eifrig vorbereitet, Osternester gebastelt, das Osterfeuer hergerichtet, der Gottesdienst besucht und zum krönenden Abschluss das Osterfrühstück genossen.

Kathrin ist gespannt auf den Dekanatsjugendkovent, der zweimal im Jahr stattfindet und jeweils großen Themen gewidmet ist, die sich dann in der Jugendarbeit der folgenden Monate niederschlagen. Das Herbstthema sei diesmal „Kinderarmut" in all seinen Facetten. Nikolas freut sich auf die „Blue-friday"-Serie im Advent, denn da wird es kuschelig in den Räumen der EJ. Drei Freitage im Advent, um zur Ruhe zu kommen und sich, abseits der Geschenkehatz in den Geschäften, besinnlich auf Weihnachten einzustimmen, das sei immer wieder schön. „Wir haben auch ein paar Musiker mit dem nötigen Gespür für die ganz besondere Stimmung und entsprechende Musik", erzählt er. Hier könnten sie jedoch durchaus noch Unterstützung brauchen. Es gebe sicher viele Jugendliche, die ein Instrument gelernt hätten und gern einmal vor kleinem Publikum auftreten würden, hofft er.

Ein richtiges Musik-Team, auf das man bei Bedarf zurückgreifen kann, wünscht sich auch Christian. Und noch eines hat er im Visier: Die Räume im Jugendwerk sollen noch mehr als bisher Forum für ein ungezwungenes Zusammensein werden. Zwar stehe die Tür ohnehin immer offen, wenn er da sei. Aber „feste Öffnungszeiten wären wünschenswert", meint er. Um zusammen zu hocken, zu ratschen und miteinander Spaß zu haben, ganz ohne Programm.