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Nicht wirklich sexy, aber oft die letzte Hoffnung

Stephan Ettensperger ist Gewerkschafter mit ganzer Leidenschaft, Jugendsekretär der Ver.di. und Ansprechpartner für die DGB-Jugend. Zuständig ist er für rund 1000 Mitglieder im Alter zwischen 15 und 27 Jahren. So ein bisschen fühlt er sich als Hauptamtlicher wie die „eierlegende Wollmilchsau", oder feiner ausgedrückt als Sozialarbeiter, der für Probleme in Ausbildung, in der Berufsschule oder in Fragen des Arbeitsrechts zuständig ist. Die Ehrenamtlichen seien dann eher da für Fun, Grillfeste und Gemeinschaftspflege.

Eine klassische Verbandsstruktur kann er nicht vorweisen, seine Arbeit ist eher betrieblich orientiert und seine großen Stützpfeiler dabei sind die Jugend- und Auszubildendenvertreter. Es gibt sporadisch JAV-Stammtische und gemeinsame Fahrten mit Bildungsanspruch. Nach Paris zu reisen mit seiner Jugend, heißt für Stephan nicht nur Stadtbummel, Sightseeing und Seine, sondern er will den Azubis auch etwas vermitteln über die Geschichte, über die französische Revolution, Jakobiner und Robespierre. Schon gute Tradition ist das Dreiländertreffen mit österreichischen und südtiroler Jugendlichen sowie die Allgäu-Tschechische Jugendbegegnung.

Die Rolle der Gewerkschaft habe sich gewandelt. Während man früher einfach dazu gehören musste, weil der Vater schon immer Gewerkschafter war oder die Kollegen im Betrieb gar keinen Zweifel an der Wichtigkeit ließen, sei es heute sehr oft der pure Leidensdruck, der die Jugendlichen zu ihm führe, erzählt Stephan.

Gerade im Handel seien die Azubis noch sehr jung und die Arbeitszeiten oft sehr belastend. Überforderung, vielleicht dazu schlechte Leistungen in der Berufsschule, zu hohe Erwartungen im Elternhaus und Freundschaften, die nicht mehr gepflegt werden können, als dies baue in den Jugendlichen einen ungeheuren Druck auf. „Wenn es dann gar nicht mehr weiter zu gehen scheint, geht man eben auch zur Gewerkschaft, obwohl unser Verein für die Jugend nicht wirklich sexy ist", meint Stefan grinsend.

Neben ganz praktischen Ratschlägen bietet er den Jugendlichen dann an, sich selbst weiter zu informieren über ihre Rechte und sich in dem umfangreichen Bildungsangebot der Gewerkschaftsjugend umzuschauen.

„Und dann passiert erstaunliches", hat Stephan festgestellt. Ausgerechnet die Seminare für Azubis, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten die denkbar schlechtesten Voraussetzungen für eine Teilnahme haben, kommen sicher zustande. „Offenbar, weil die Jugendlichen trotz des ganzen Drucks während der Arbeitwoche bereitwillig auch noch ein Bildungs-Wochenende auf sich nehmen in der Hoffnung, gemeinsam mit anderen Kollegen etwas zu verändern", schätzt der Jugendsekretär.

Zu tun gibt es einiges, denn wieder einmal sei man von Arbeitgeberseite daran, das Jugendarbeitsschutzgesetz aufzuweichen. Und, nachdem es in der Vergangenheit eher darum ging, überhaupt genügend Ausbildungsplätze anbieten zu können, müsse nun der Fokus wieder auf die Qualität der Ausbildung gerichtet werden, meint Stephan. Daran habe es in den letzten Jahren nämlich ganz arg gemangelt.

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