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Beistand bei Mathe, Deutsch
und HSU im Haus International


Zeugnisse, in denen es von „mangelhaften" Noten wimmelt, sind für die Kinder der „Jugendgruppe Inter" leider keine Seltenheit. Die Heilpädagogin Silvia Rechsteiner weiß, welche Sorgen die Schüler aus Migrantenfamilien umtreiben, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben im Umgang mit der deutschen Sprache und den entsprechenden Problemen, schulischen Lernstoff und Hausaufgaben zu bewältigen.

19 Kinder vorwiegend türkischer Abstammung betreut sie derzeit zusammen mit einer FSJ-lerin und ehrenamtlichen Helfern, um die Kinder fit zu machen für das Leben in und nach der Schulzeit. Ins Haus International kommen Erstklässler ebenso wie Neuntklässler, haben über Freunde oder die Familie gehört, dass es hier ganz unmittelbare, praktische Hilfe gibt bei den Hausaufgaben. „Die Kinder hier kommen, weil sie mit dem Schulstoff allein nicht klar kämen", weiß Silvia Rechsteiner. Im Haus International gibt es Beistand bei Mathe, Deutsch und HSU, es wird aber auch gemeinsam gelesen und untereinander geholfen.

Nach den Hausaufgaben wird gespielt, gebastelt oder auch schon mal zusammen gekocht. In ihrem „Quasihort", wie sie ihn nennt, gibt es zudem jede Menge an Gesprächsstoff, denn die Kinder vertrauen Silvia gern an, wenn sie sich in der Schule ungerecht behandelt oder diskriminiert fühlen. „Das ist leider kein Einzelfall und die Kinder haben sehr feine Antennen dafür", bedauert die Heilpädagogin, die in solchen Fällen durchaus auch die betreffenden Lehrkräfte in den Sprechstunden besucht, um die Probleme zu klären. „Mit mehr oder weniger großem Erfolg", räumt sie ein, „aber für die Kinder ist es wichtig, dass jemand hinter ihnen steht".

Mit fast 20 Kindern ist Silvia Rechsteiner mehr als gefordert und die Einrichtung „ausgebucht". Plätze gibt es derzeit nur nach Warteliste, da die Qualität sich herumgesprochen und das „Haus International" für viele Familien mit Migrationshintergrund eine Anlaufstelle ist, der sie vertrauen, die sie selbst kennen und in der die Betreuung ihrer Kinder mit 40 Euro pro Monat auch erschwinglich ist. Die Zusammenarbeit mit den Eltern klappt in der Regel gut, zumal Silvia Rechsteiner die Familien immer wieder zu Hause besucht und bei einer Tasse Tee besser kennen lernt.

Veränderungen seien durch die Einführung der Ganztagsklassen zu erwarten, die ebenfalls auf ihr Klientel zugeschneidert seien. Allerdings glaubt sie, dass das Angebot im „Haus International" vom Potenzial und der Kompetenz her durchaus mit der Schule konkurrieren könne, dabei aber viel flexibler sei. Rechsteiner: „Bei uns darf man auch mal ausprobieren und frech sein und so Freiräume abseits von Schule und Elternhaus genießen".

Viele Kinder hat sie auf ihrem steinigen Schulweg in den vergangenen acht Jahren begleitet, die meisten davon erfolgreich. „Wir haben mitgeholfen, dass sie nach der Schulzeit fast alle untergebracht werden konnten", ist die Heilpädagogin stolz. Sie freut sich, wenn sie heute den „Ehemaligen" in der Stadt begegnet, wenn gegrüßt oder gewunken wird.

Im Haus International haben schon viele Kinder ihre Geburtstage gefeiert und manch einer aus viel früheren Zeiten gar seine Hochzeit. Ende der 80-er Jahre war die Jugendgruppe Inter in den Kellerräumen des alten Hauses in der Beethovenstraße entstanden. Ganz eigenständig, sehr offen und „manchmal auch ein bisschen wild", wie Geschäftsführer Rudi Goschler sich schmunzelnd an die mit dem Umzug beendeten alten Zeiten erinnert.