Kontaktdaten

Mit Pfeil und Bogen auf der Jagd
nach Zielen aus Schaumgummi


Die Schützengesellschaft Hildegardis 1883 hat aus der Not eine Tugend gemacht, denn Nachwuchssorgen sind für einen Verein, der nur mit für Jugendliche verbotenen Feuerwaffen schießt, eigentlich vorprogrammiert. So völlig tatenlos wollten die Vereinsmitglieder um den 1. Schützenmeister Arthur Nothelfer dieser Besorgnis erregenden Entwicklung allerdings nicht zusehen. Sie suchten nach Alternativen, die nicht jeder andere Schützenverein auch zu bieten hatte. So kam man aufs 3-D-Schießen, das trotz seines modernen Namens eine ganz traditionelle Art des Bogenschießens ist, bei der Pfeil und Bogen aus reinem Holz sind und ohne Visier und Stabilisatoren geschossen wird.

Auf einem Übungsgelände am Mariaberg wird trainiert, und die Kinder dürfen sich wie moderne Robin Hoods fühlen, denn es geht auf der Jagd nach „Beute" durch einen Wald und eine tiefe Schlucht. Natürlich geht es Fuchs und Has` nicht wirklich an den Kragen, denn die Tiere, auf die die Schützen zielen, sind aus Schaumgummi.

Sieben Kinder und Jugendliche pirschen durch das Gelände am Mariaberg. „Weil man dort draußen ständig in Bewegung ist, sollten die Kinder ein wenig sportlich sein. Alles andere lässt sich lernen", sagt Arthur Nothelfer. Bogenschießen trainiere neben Konzentrationsfähigkeit und Selbstdisziplin auch Kraft und Körperspannung und sei darum auch gut für die Stabilisierung der Wirbelsäule und gegen Haltungsschwächen.

Die Ausrüstung haben die Jugendlichen recht schnell beieinander. Sie brauchen einen Lernbogen, der auf Wunsch vom Verein gestellt wird, einen Handschuh, der die drei Finger beim Spannen der Sehne schützt und einen Lederschutz für den Arm, der den Bogen hält.

Im Winter, wenn der Bogen-Parcours nicht genutzt werden kann, montieren die Vereinsmitglieder ihre Pfeile aus Einzelteilen in Gemeinschaftsarbeit zusammen. „Ein jeder hat so seine eigenen Farben für die Federn", erzählt Nothelfer. Und billiger würde die Pfeile auf diese Weise ebenfalls.

So lange es das Wetter zulässt, trainieren die Schützen am Mariaberg. Immer montags am Nachmittag findet sich ein Erwachsener, der die Jugendliche betreut. Ansonsten gehen sie mit den eigenen Eltern am Wochenende hinaus oder schließen sich zwanglos anderen Vereinsmitgliedern an. „Wir haben im Moment das Problem, dass es niemanden gibt, der sich ehrenamtlich regelmäßig um den Nachwuchs kümmern kann", bedauert Nothelfer. Es wäre darum schön, jemanden zu finden, der die Begeisterung für den Bogensport in sich trägt und gut mit Kinder umgehen kann.

In diesen traditionellen Sport hineinschnuppern können Interessenten, wenn die Bogenschützen mit der „Armbrustgilde Burghaldefähndl" ihre mittelalterlichen Lager aufgebaut haben. Ein- bis zweimal im Jahr packen erwachsene und junge Schützen ihre Siebensachen, um bei historischen Festen und Ortsjubiläen dem Lagerleben zu frönen. „Ein paar Kinder haben wir auf diese Weise für unseren Sport gewinnen können", meint Nothelfer, der sich für den schönen Sport jedoch noch viel mehr Zulauf wünschen würde.



Foto: Lennart Schneider